Ratgeber · 12 Min. Lesezeit

Transkriptionsregeln für Interviews: Dresing & Pehl, Kuckartz, Mayring und GAT 2 – mit Beispiel

· SmartScription-Redaktion

Kurze Antwort

Für die meisten Bachelor- und Masterarbeiten mit Inhaltsanalyse genügt die inhaltlich-semantische Transkription nach Dresing & Pehl: Jedes Wort wird aufgeschrieben, Dialekt und Verschleifungen werden ans Schriftdeutsch angenähert, Pausen ab drei Sekunden als (…) markiert, Lachen in Klammern notiert und jeder Redebeitrag beginnt mit einem Kürzel wie I: oder B1:. Wichtiger als die Wahl des Systems ist, dass Sie es vorab festlegen, im Methodenteil nennen und in allen Interviews gleich anwenden.

Wer ein Interview für eine Abschlussarbeit oder ein Forschungsprojekt verschriftlicht, merkt schnell: Es gibt unzählige Entscheidungen. Schreibe ich „ähm“ mit? Wie markiere ich eine Pause? Was mache ich mit Dialekt? Transkriptionsregeln beantworten diese Fragen einheitlich – damit Ihr Transkript nachvollziehbar ist und alle Interviews nach demselben Muster entstehen.

Dieser Ratgeber stellt die beiden im deutschsprachigen Raum verbreitetsten Regelsysteme vor – das Regelsystem für die inhaltlich-semantische Transkription von Dresing und Pehl in der Fassung von 2023 und die Regeln von Kuckartz et al. –, erklärt, was es mit „Transkriptionsregeln nach Mayring“ auf sich hat, und zeigt das detaillierte System GAT 2. Mit Vergleichstabelle, einem kompletten Beispiel-Transkript zum Download und einer Formulierung für Ihren Methodenteil.

Was sind Transkriptionsregeln?

Transkriptionsregeln legen fest, wie gesprochene Sprache in Text übertragen wird: was aufgeschrieben wird, was wegfällt und mit welchen Zeichen Besonderheiten wie Pausen, Betonungen oder Lachen markiert werden. Ein Regelsystem sorgt dafür, dass mehrere Transkribierende zum gleichen Ergebnis kommen und dass Leserinnen und Leser Ihrer Arbeit wissen, wie der Text entstanden ist.

Grob gibt es zwei Richtungen. Einfache Systeme wie die inhaltlich-semantische Transkription halten vor allem fest, was gesagt wurde, und liefern einen leicht geglätteten, gut lesbaren Text. Detaillierte Systeme wie GAT 2, das in der Gesprächsanalyse verwendet wird, halten zusätzlich fest, wie gesprochen wurde: Tonhöhe, Lautstärke, Sprechtempo, teilweise in Lautschrift.

Welche Transkriptionsregeln passen zu Ihrer Arbeit?

Entscheidend ist Ihre Auswertungsmethode. Interessiert Sie der Inhalt – etwa bei einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz oder Mayring, bei Experteninterviews oder Leitfadeninterviews –, reicht ein einfaches System. Wer dagegen auf Wortebene interpretiert, etwa in der Gesprächs- oder Konversationsanalyse, braucht ein detailliertes System.

  • Inhaltsanalyse, Experten- und Leitfadeninterviews: inhaltlich-semantische Transkription nach Dresing & Pehl oder Regeln nach Kuckartz.
  • Narrative Interviews, Biografieforschung: einfache Regeln plus einzelne Erweiterungen, zum Beispiel genauere Pausen oder Wortabbrüche.
  • Gesprächs- und Konversationsanalyse: ein detailliertes System wie GAT 2.

Auch der Aufwand unterscheidet sich stark. Dresing und Pehl rechnen für ein einfaches Transkript von Hand mit etwa der fünf- bis zehnfachen Dauer der Aufnahme, für sehr detaillierte Transkripte mit bis zum Sechzigfachen. Eine Stunde Interview kann also leicht einen ganzen Arbeitstag kosten. Fragen Sie im Zweifel Ihre Betreuung, welches System erwartet wird – manche Lehrstühle geben eigene Regeln vor.

Die Regeln nach Dresing & Pehl (inhaltlich-semantisch, 2023)

Thorsten Dresing und Thorsten Pehl haben ihr Regelsystem 2023 überarbeitet und auf fünf Grundregeln verdichtet. Sie stehen im „Praxisbuch Interview, Transkription & Analyse“ (9. Auflage, 2024), das der Verlag kostenlos als PDF anbietet. Sinngemäß zusammengefasst:

Regel 1: Jedes Wort aufschreiben

  • Sätze werden so festgehalten, wie sie gesprochen wurden – auch wenn sie grammatisch holpern.
  • Wortverschleifungen und Dialekt werden ans Schriftdeutsch angenähert: aus „so’n Aushang“ wird „so ein Aushang“. Gibt es keine eindeutige Übersetzung, bleibt der Ausdruck stehen.
  • Unverständliches wird als „(unv.)“ markiert, ein vermuteter Wortlaut mit Fragezeichen in Klammern, etwa „(Glück?)“.

Regel 2: Kurze Antworten aufschreiben, Verstehenssignale weglassen

  • Kurze Äußerungen wie „hm“, „ja“ oder „genau“, mit denen jemand nur zuhört, entfallen, solange sie den Redefluss nicht unterbrechen.
  • Sind dieselben Wörter eine Antwort auf eine Frage, werden sie aufgeschrieben.

Regel 3: Deutliche Pausen festhalten

  • Pausen ab etwa drei Sekunden werden mit „(…)“ markiert.

Regel 4: Emotionen und Betonungen notieren

  • Lachen, Seufzen oder Weinen steht in Klammern, zum Beispiel „(lacht)“.
  • Besonders betonte Wörter werden in VERSALIEN geschrieben.

Regel 5: Transkripte einheitlich gestalten

  • Jeder Redebeitrag bekommt einen eigenen Absatz und beginnt mit einem Kürzel und Doppelpunkt, etwa „I:“ für die interviewende Person und „B1:“ für die befragte.
  • Auch kurze Antworten wie „ja“ stehen in einem eigenen Absatz.

Erweiterungen für genauere Transkripte

Braucht Ihre Fragestellung mehr Details, sehen Dresing und Pehl Module vor, die Sie einzeln oder zusammen dazunehmen. Welche Sie verwenden, nennen Sie im Methodenteil.

  • Wort- und Satzabbrüche mit Schrägstrich: „Ich habe mir aber Sor/ Gedanken gemacht.“
  • Wortdoppelungen werden immer notiert („das war, das war“).
  • Pausen nach Länge: „(.)“ für etwa eine Sekunde, „(..)“ für zwei, „(…)“ für drei und „(Zahl)“ für längere Pausen, etwa „(5)“.
  • Fülllaute und Rezeptionssignale aller Personen („ähm“, „hm“, „aha“) werden transkribiert – außer dem zustimmenden Zuhören der interviewenden Person, solange es den Redefluss nicht unterbricht.
  • „hm“ mit Deutung in Klammern: „hm (bejahend)“ oder „hm (verneinend)“.
  • Überlappungen mit doppeltem Schrägstrich „//“ an der Stelle, an der jemand dazwischenspricht; der Einwurf steht in einer eigenen Zeile, ebenfalls in „//“.

Fassung 2018 oder 2023?

Viele Leitfäden von Hochschulen verweisen noch auf die 8. Auflage des Praxisbuchs von 2018 und die damalige Fassung der Regeln. 2023 haben Dresing und Pehl das System überarbeitet – nach eigener Aussage vor allem eindeutiger und knapper formuliert: Was früher über Beispiele erklärt wurde, steht jetzt als Regel da. Arbeiten Sie mit der Fassung, die Ihre Hochschule vorgibt, und nennen Sie im Methodenteil die Auflage.

Die Regeln nach Kuckartz

Udo Kuckartz und Kollegen haben 2008 in „Qualitative Evaluation“ zehn Transkriptionsregeln vorgeschlagen, die bis heute in den Methodenleitfäden vieler Hochschulen stehen. Sie ähneln der inhaltlich-semantischen Transkription stark. Die wichtigsten Punkte, sinngemäß:

  • Wörtlich transkribieren, nicht lautsprachlich und nicht zusammenfassend; Mundart wird in Schriftsprache übertragen, eine dialektale Färbung darf bleiben.
  • Sprache und Zeichensetzung leicht glätten: „Er hatte noch so’n Buch genannt“ wird zu „Er hatte noch so ein Buch genannt“.
  • Alle Angaben anonymisieren, die Rückschlüsse auf die befragte Person erlauben.
  • Deutliche, längere Pausen mit Auslassungspunkten oder Gedankenstrichen markieren.
  • Betonte Wörter hervorheben, etwa durch Unterstreichen oder Großschreibung.
  • Zustimmende Laute der interviewenden Person („mhm“, „aha“) weglassen, solange sie den Redefluss nicht unterbrechen.
  • Lachen oder Seufzen der befragten Person, das die Aussage unterstreicht, in Klammern notieren.
  • Interviewende Person mit „I“, befragte mit „B“ und Nummer kennzeichnen, etwa „B4:“; zwischen den Sprecherwechseln eine Leerzeile.
Dresing & Pehl und Kuckartz im Vergleich
Dresing & Pehl (Grundregeln)Dresing & Pehl (Erweiterung)Kuckartz et al.
Dialekt, Verschleifungenans Schriftdeutsch angenähertwie Grundregelnin Schriftsprache, Färbung erlaubt
„ähm“ und Fülllautenicht transkribierttranskribiertnicht eigens geregelt (leicht geglättet)
„hm“ beim Zuhörenweggelassennur bei der interviewenden Person weggelassenweggelassen
Pausen(…) ab ca. 3 Sekunden(.) (..) (…) (Zahl)Auslassungspunkte oder Gedankenstriche
BetonungVERSALIENVERSALIENUnterstreichen oder Großschreibung
Lachen, Seufzenin Klammernin Klammernin Klammern
Wortabbrüchenicht markiertmit „/“nicht eigens geregelt
Unverständliches(unv.) oder (Wort?)wie Grundregelnnicht eigens geregelt
SprecherkürzelI:, B1: …, eigener Absatzwie GrundregelnI:, B4: …, Leerzeile dazwischen

Gibt es Transkriptionsregeln nach Mayring?

Nach „Transkriptionsregeln nach Mayring“ wird oft gesucht. Philipp Mayring ist vor allem für die qualitative Inhaltsanalyse bekannt – eine Methode, um Texte auszuwerten, nicht um sie zu verschriftlichen. Ein eigenes, verbreitetes Zeichensystem wie bei Dresing & Pehl oder GAT 2 gibt es von ihm nicht.

Wer nach Mayring auswertet, braucht ein vollständiges, gut lesbares Transkript des Inhalts. In der Praxis wird dafür meist ein einfaches System verwendet – die inhaltlich-semantische Transkription nach Dresing & Pehl oder die Regeln nach Kuckartz. Im Methodenteil trennen Sie beides: transkribiert nach Dresing & Pehl, ausgewertet mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Verlangt Ihre Betreuung ausdrücklich „Regeln nach Mayring“, fragen Sie nach, welches Dokument gemeint ist.

GAT 2: das detaillierte System für die Gesprächsanalyse

Das Gesprächsanalytische Transkriptionssystem 2 (GAT 2, Selting u. a. 2009) ist das verbreitete System der Gesprächsanalyse und Linguistik. Es hält nicht nur fest, was gesagt wird, sondern auch wie – und kennt dafür drei Stufen:

  • Minimaltranskript: Wortlaut, Überlappungen, Pausen, Verzögerungen wie „äh“, Ein- und Ausatmen, Lachen, nonverbale Ereignisse und unverständliche Stellen. Laut den Autoren reicht diese Stufe für viele sozialwissenschaftliche Zwecke, etwa die Inhaltsanalyse von Interviews.
  • Basistranskript: zusätzlich die Betonung (Fokusakzent in Großbuchstaben, etwa „akZENT“), die Tonhöhenbewegung am Ende einer Einheit, Dehnungen und schnelle Anschlüsse. Die Zeichen ? , ; . stehen dabei für Tonhöhen, nicht für Satzzeichen.
  • Feintranskript: weitere Akzente, Tonhöhensprünge, Lautstärke und Sprechtempo.
Wichtige Zeichen im GAT-2-Minimaltranskript
ZeichenBedeutung
(.)Mikropause bis ca. 0,2 Sekunden
(-) (--) (---)geschätzte Pausen von ca. 0,2–0,5, 0,5–0,8 und 0,8–1 Sekunde
(2.0)gemessene Pause in Sekunden
[ ]Überlappung, gleichzeitiges Sprechen
äh öh ämVerzögerungen („gefüllte Pausen“)
°h h°Ein- bzw. Ausatmen
((lacht))Lachen, Husten und andere Ereignisse
( )unverständliche Stelle
(solche)vermuteter Wortlaut

Für eine Abschlussarbeit mit Inhaltsanalyse ist GAT 2 meist zu aufwendig – Dresing und Pehl rechnen für so detaillierte Transkripte mit bis zum Sechzigfachen der Aufnahmedauer. Sinnvoll ist es, wenn Sie wirklich untersuchen, wie gesprochen wird.

Beispiel: dasselbe Interview nach verschiedenen Regeln

So unterscheiden sich die Varianten an einem kurzen, erfundenen Ausschnitt. Gesprochen wurde Folgendes: Die befragte Person beginnt mit „ähm“, sagt „so’n Aushang“, macht eine Pause von etwa vier Sekunden und lacht am Ende. Die Interviewerin sagt zwischendurch leise „mhm“, ohne zu unterbrechen. Auf die zweite Frage kommt nur ein zustimmendes „hm“.

Inhaltlich-semantisch (Grundregeln)

I: Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

B1: Das war eher Zufall. Da hing so ein Aushang (…) an der Uni und ich dachte mir: Warum nicht? (lacht)

I: Würden Sie es wieder so machen?

B1: Hm.

Mit Erweiterungen

I: Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

B1: Ähm das war eher Zufall. Da hing so ein Aushang (4) an der Uni und ich dachte mir: Warum nicht? (lacht)

I: Würden Sie es wieder so machen?

B1: Hm (bejahend).

In beiden Fassungen fehlt das „mhm“ der Interviewerin, weil es den Redefluss nicht unterbricht. Das kurze „Hm“ als Antwort auf eine Frage bleibt dagegen stehen – in der erweiterten Fassung mit seiner Deutung.

Beispiel-Transkript: ein komplettes Interview

So sieht ein fertiges Transkript nach den Grundregeln von Dresing & Pehl aus – ein kurzes, erfundenes Interview über ein Ehrenamt im Sportverein. Jeder Redebeitrag steht in einem eigenen Absatz und endet mit einer Zeitmarke. Achten Sie auf die Pausen (…), die Klammern für Lachen und Seufzen, die Betonung in VERSALIEN, die Markierung unsicherer Stellen und die Anonymisierung von Namen und Orten.

Beispiel-Transkript (inhaltlich-semantisch, mit Zeitmarken)

I: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen. Wie sind Sie zu Ihrem Ehrenamt im Verein gekommen? #00:00:06-2#

B1: Das war eher Zufall. Mein Sohn hat damals in der D-Jugend gespielt und der Trainer ist weggezogen. Beim Elternabend hat dann jemand gefragt, wer das übernehmen könnte (…) und irgendwie habe ich die Hand gehoben. (lacht) #00:00:31-5#

I: Was hat Sie dazu bewogen? #00:00:35-0#

B1: Ich wollte nicht, dass die Mannschaft aufgelöst wird. Die Kinder hatten sich so darauf gefreut. Und ich habe selbst lange Fußball gespielt, in [Stadt in Norddeutschland], das hat mir schon geholfen. #00:00:58-4#

I: Wie viel Zeit investieren Sie heute ungefähr pro Woche? #00:01:03-7#

B1: Zwei Trainings, ein Spiel am Wochenende und dann noch die ganze Organisation. Also ehrlich gesagt sind das schon zehn Stunden, manchmal mehr. Das unterschätzt man am Anfang TOTAL. #00:01:25-9#

I: Hat sich das für Sie gelohnt? #00:01:28-9#

B1: Ja. #00:01:30-4#

I: Was bringt Ihnen das Ehrenamt am meisten? #00:01:36-2#

B1: Die Gemeinschaft. Man kennt plötzlich das halbe Viertel. (…) Und wenn man sieht, wie sich ein Kind entwickelt, das am Anfang kaum einen Ball stoppen konnte, das ist schon (seufzt), das ist schön. #00:02:04-8#

I: Gab es auch Momente, in denen Sie aufhören wollten? #00:02:10-1#

B1: Ja, im zweiten Jahr. Da hatten wir kaum Betreuer und ich habe alles allein gemacht, auch das (Trainingslager?) organisiert. Meine Kollegin [Name] hat mich dann überredet weiterzumachen und einen Teil übernommen. Ohne sie wäre ich (unv.). #00:02:43-2#

I: Was müsste der Verein ändern, damit mehr Menschen mitmachen? #00:02:48-0#

B1: Die Aufgaben kleiner machen. Viele trauen sich nicht, weil sie denken, sie müssen gleich eine ganze Mannschaft übernehmen. Wenn man sagt: Du machst nur die Fahrdienste für ein halbes Jahr, dann sagen viel mehr Leute zu. #00:03:19-6#

I: Vielen Dank für das Gespräch. #00:03:22-5#

B1: Gern. #00:03:24-1#

Zeitmarken: wofür sie gut sind

Viele Transkripte enden jeden Absatz mit einer Zeitmarke, im Format von f4 etwa „#00:12:31-4#“. Zitiert wird damit allerdings nicht: In der Arbeit verweisen Sie auf Absatznummern (selten auf Zeilennummern). Zeitmarken dienen dazu, in Programmen wie f4, MAXQDA oder ATLAS.ti per Klick an die passende Stelle der Aufnahme zu springen – praktisch, um später eine Betonung oder eine unklare Stelle nachzuhören. In Word funktioniert dieser Sprung nicht.

Einheitliche Schreibweise: die häufigsten Zweifelsfälle

Dresing und Pehl geben zusätzlich Empfehlungen für Zweifelsfälle, die vor allem helfen, wenn mehrere Personen transkribieren:

  • Zögerungslaute immer „ähm“ schreiben (nicht „äm“ oder „öhm“), Zuhörlaute immer „hm“ (nicht „mhm“ oder „hmh“).
  • Einheiten und gesprochene Zeichen ausschreiben: „Euro“, „Meter“, „Paragraf“.
  • Abkürzungen nur tippen, wenn sie so gesprochen wurden.
  • Wörtlich zitierte Rede in Anführungszeichen setzen.
  • „du“ und „ihr“ klein, die Höflichkeitsform „Sie“ und „Ihnen“ groß.

Anonymisierung und Einwilligung

Vor der Aufnahme brauchen Sie die Einwilligung Ihrer Interviewpartnerinnen und -partner – am besten schriftlich und mit dem Hinweis, wie die Aufnahme verarbeitet, anonymisiert und gespeichert wird. Viele Hochschulen stellen dafür Vorlagen bereit; was hineingehört, zeigt unser Ratgeber Einverständniserklärung für Interviews mit Word-Vorlage. Im Transkript ersetzen Sie Namen, Orte, Arbeitgeber und andere Angaben, die auf eine Person schließen lassen, etwa durch „[Name]“ oder „[Stadt in Süddeutschland]“.

Wenn Sie ein Werkzeug zur automatischen Transkription nutzen möchten, klären Sie vorher mit Ihrer Betreuung oder dem Datenschutzbeauftragten Ihrer Hochschule, welche Anforderungen gelten – manche Hochschulen verlangen dafür einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.

Automatisch vorbereiten, nach Regeln korrigieren

Automatische Spracherkennung nimmt Ihnen das Abtippen ab, nicht aber das Anwenden der Regeln. Dresing und Pehl schätzen die Zeitersparnis gegenüber dem reinen Abtippen auf rund die Hälfte und mehr – bei klarer Aufnahme. Bei starkem Dialekt oder viel Hintergrundlärm bleibt Handarbeit nötig. Ein sinnvoller Ablauf:

  1. Aufnahme hochladen und Sprache wählen. Namen und Fachbegriffe, die im Gespräch vorkommen, vorab unter „Fachbegriffe & Namen“ eintragen – sie werden dann besser erkannt.
  2. Die Sprecher werden automatisch getrennt. Benennen Sie „Sprecher 1“ und „Sprecher 2“ einmal in „I“ und „B1“ um; das gilt im ganzen Transkript.
  3. Als „MAXQDA / f4“ exportieren: eine Word-Datei mit eigenem Absatz pro Redebeitrag und Zeitmarke am Ende, die MAXQDA samt Zeitmarken importiert.
  4. Beim Korrekturhören die Regeln anwenden: Pausen, Lachen und Betonungen ergänzen, Unverständliches markieren, anonymisieren. Füllwörter wie „ähm“ enthält der automatische Text meist nicht – bei erweiterter Transkription tragen Sie sie nach.

So nennen Sie die Regeln im Methodenteil

Geben Sie an, nach welchem System transkribiert wurde, welche Erweiterungen Sie genutzt haben und wie das Transkript entstanden ist. Zum Beispiel:

Formulierungsbeispiel

Die Interviews wurden nach dem Regelsystem für die inhaltlich-semantische Transkription von Dresing und Pehl (2024, S. 21) transkribiert, ergänzt um die Markierung von Wortabbrüchen und Pausen nach Länge. Die Transkripte wurden mit einer Software zur automatischen Spracherkennung vorbereitet, anschließend vollständig anhand der Aufnahmen korrigiert und anonymisiert.

Ob und wie Sie das verwendete Werkzeug namentlich nennen, regelt Ihre Prüfungsordnung oder Ihre Betreuung. Mehr zum Ablauf mit SmartScription lesen Sie auf der Seite Interview transkribieren.

Transkript mit getrennten Sprechern und Zeitmarken in SmartScription
Transkript mit getrennten Sprechern und Zeitmarken in SmartScription

Häufig gestellte Fragen

Welche Transkriptionsregeln nehme ich für die Bachelorarbeit?

Für eine Bachelor- oder Masterarbeit mit qualitativer Inhaltsanalyse genügt meist die inhaltlich-semantische Transkription nach Dresing & Pehl oder das System nach Kuckartz. Fragen Sie Ihre Betreuung, ob ein bestimmtes System erwartet wird.

Muss ich „ähm“ mittranskribieren?

Nach den Grundregeln von Dresing & Pehl nicht. Nur wenn Sie die Erweiterung für Fülllaute nutzen, wird „ähm“ bei allen Personen aufgeschrieben.

Wie lange dauert es, ein Interview zu transkribieren?

Von Hand rechnen Dresing und Pehl für ein einfaches Transkript mit der fünf- bis zehnfachen Dauer der Aufnahme. Ein einstündiges Interview kostet also fünf bis zehn Stunden. Mit automatischer Spracherkennung entfällt das Abtippen; Korrektur und Regelanwendung bleiben.

Gibt es Transkriptionsregeln nach Mayring?

Ein eigenes, verbreitetes Zeichensystem gibt es von Mayring nicht – er ist für die qualitative Inhaltsanalyse bekannt, also die Auswertung. Transkribiert wird meist nach Dresing & Pehl oder Kuckartz und anschließend nach Mayring ausgewertet.

Wo finde ich ein Beispiel für ein transkribiertes Interview?

Weiter oben in diesem Ratgeber steht ein komplettes Beispiel-Transkript nach den Regeln von Dresing & Pehl, auch als Word-Datei zum Download, die sich in MAXQDA und f4 importieren lässt.

Was ist der Unterschied zwischen Dresing & Pehl und Kuckartz?

Beide sind einfache, inhaltlich orientierte Systeme. Dresing & Pehl legen die Zeichen genauer fest, etwa „(…)“ für Pausen ab drei Sekunden und „(unv.)“ für Unverständliches, und bieten Erweiterungen für genauere Transkripte. Kuckartz lässt bei Pausen und Betonungen mehr Spielraum.

Quellen

  • Dresing, Thorsten / Pehl, Thorsten: Praxisbuch Interview, Transkription & Analyse. Anleitungen und Regelsysteme für qualitativ Forschende. 9. Auflage, Marburg 2024, S. 20–27. Kostenloser Download beim Verlag
  • Kuckartz, Udo / Dresing, Thorsten / Rädiker, Stefan / Stefer, Claus: Qualitative Evaluation. Der Einstieg in die Praxis. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008, S. 27–28. doi:10.1007/978-3-531-91083-3
  • Selting, Margret u. a.: Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2 (GAT 2). In: Gesprächsforschung – Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 10 (2009), S. 353–402. Artikel als PDF